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16. Jahrhundert

 

Infolge der Zerstörung durch Kriege flüchteten die Bewohner der ehemaligen slawischen Siedlungen in den Schutz größerer Ortschaften, so daß um 1500 viele Orte wüst lagen, auch das mittelalterliche Dorf Szarlancke. Es wurde von der Familie Lohe auf Wustrau (bei Neuruppin) erworben und zur Schafhaltung genutzt. Namen wie "Schapwäsch" - Waschplatz für die Schafe vor der Schur - und die "Trift" -Weg, auf dem die Schafe entlang getrieben wurden - zeugen davon. Die Siedlung Hohen Pählitz, 1530 zum ersten Mal schriftlich als "hoenn Pelitz" erwähnt, gehörte zu dieser Zeit bereits als wüste Feldmark zum Kloster Lindow. Erst 1860 kam es in den Besitz des Rittergutes Großzerlang. Das mittelalterliche Dorf Degebrod, das zur mecklenburgischen Vogtei Fürstenberg gehörte, wurde im 15.Jahrhundert erstmals schriftlich erwähnt. 1478 wird ein Johann Degebrode in Prenzlau genannt, der wohl von hier stammte. Der slawische Name "brod" = "Furt" und "deget" = "(Birken)teer" paßt gut zur Lage des Ortes zwischen dem Großen Pälitzsee und dem Debrodsee, der heute stark mit Röhricht verwachsen und als offene Wasserfläche kaum mehr vorhanden ist. Als Familienname ist Degebrod auch heute noch häufig hier in der Gegend anzutreffen. Das Dorf lag 1556 wüst und wurde, jetzt bereits zu Brandenburg gehörig, nicht wieder aufgebaut. Die Ackerflächen überwaldeten sich rasch, nur die Wiesen wurden trotz ihrer schlechten Qualität weiterhin genutzt. Um 1707 wurden 15 Morgen 14 Quadratruten Zinswiesen von einem Bauern aus Menz genutzt.

 

1697

 

Nach dem Dreißigjährigen Krieg entstand in Großzerlang (erstmals schriftlich Großen Zerlang genannt) ein Vorwerk mit Brauhaus, Schaf- und Rinderställen, das 1697 Rittergutscharakter erhielt. In diesem Jahr wurde auch die Kirche erstmals erwähnt - ein kleiner rechteckiger Fachwerkbau, der später verputzt wurde.

 

1708

 

Der Turm am Westende trägt die Wetterfahne mit dem Jahr der Errichtung 1708. Es handelt sich dabei um einen Nachbau der originalen, die vor kurzer Zeit ausgetauscht werden mußte. Diese trug zusätzlich noch den Namenszug des damaligen Gutsbesitzers J.H.Wittstock. Der viereckige Holzturm jedoch ist noch nicht erneuert worden und muß somit immerhin schon 290 Jahre alt sein. Die Glocke von 1736 wurde in diesem Jahr durch ein elektrisches Läutwerk ersetzt. An den Seiten der Kirche befinden sich 2 hohe, schmale Korbbogenfenster, die durch Sprossen unterteilt sind. Der schlichte Kanzelaltar aus einem dreiteiligen Holzaufbau zeigt Barockformen. Die fünfseitige Kanzel wird von 2 Halbsäulen mit starken Kapitellen eingeschlossen. Der Schalldeckel trägt auf der Unterseite das bäuerlich-derbe Gemälde des Heiligen Geistes in Gestalt einer Taube.

 

1718

 

Bereits 1718 ließ der Gutsbesitzer auf der Halbinsel den tonigen Lehm abbauen und zu Ziegeln brennen. Als Brennmaterial wurde neben Holz auch Torf genutzt, der im Debrod gestochen wurde. Zurückgeblieben davon sind die 4 fast viereckigen Teiche, die durch schmale Landstreifen miteinander verbunden sind. Aus dieser Zeit finden wir heute auch noch Reste von Teeröfen, mit denen aus Holz Teer gewonnen wurde. Der Teerschweler mußte dazu den Wald roden und sorgte somit gleichzeitig für die Erweiterung des Ackerlandes. Einen recht gut erhaltenen Teerofen findet der aufmerksame Beobachter in der Nähe des Teufelsbruchs von Großzerlang aus hinter dem Graben links vom Weg. Von hier holten sich die Großzerlanger nach dem 2. Weltkrieg 1945, als die Not sehr groß war und es an allem mangelte, sogar noch brauchbaren Teer. Rechts des Weges liegen auch noch die Fundamente eines bereits ziegelgedeckten Hauses, in dem wahrscheinlich der Teerschweler gewohnt hat. 2 weitere Teeröfen befanden sich auf dem Gelände der ehemaligen Ferienanlage Bergmann Borsig sowie bei Beerenbusch .

 

1753

 

In diesem Jahr erhielt der Rittergutsbesitzer die königliche Auflage Friedrich 2. zur Ansiedlung von 8 Kolonisten, 3 auf der Seite des Gutshauses und 5 gegenüberliegend. Aus welcher Gegend die Kolonisten kamen, ist nicht bekannt. Zu vermuten ist, daß es sich dabei um Mecklenburger handelte, die der dort noch herrschenden Leibeigenschaft entfliehen wollten. Sie wohnten in strohgedeckten Fachwerkhäusern und mußten sich lediglich mit Büdnerstellen begnügen, das heißt, sie erhielten jeder ein Stück Gartenland sowie eine Kahnstelle am Westufer des Großen Pälitzsees. Somit bekamen sie Zugang zum See mit dem sogenannten "Waterecht". Es gestattete ihnen zum Fischen so weit in den See zu waten, wie sie Grund unter den Füßen hatten. Zu ihren Büdnerstellen gehörte auch die Weideberechtigung für eine Kuh und zwei Schweinen sowie die Befugnis zum Sammeln von Holz (Raff- und Leseholz) im Gutsforst. Zu ihrem Lebensunterhalt mußten sie sich als Tagelöhner beim Gut verdingen, in der Ziegelei arbeiten oder in der Forst Nebenerwerb suchen. Der Volksmund erzählt, daß die damalige Witwe des Rittergutsbesitzers noch eine Folterkammer besaß und zu der Zeit auch mittelalterliche Foltermethoden anwandte. Aus Angst vor Bestrafung beim Einzug der Franzosen während des Siebenjährigen Krieges flüchtete sie in Richtung Wittwin. Mit ihrer Kutsche verunglückte sie und versank in einem Seee. Da sie vom Volk auf Grund ihrer Greueltaten "Teufelin" genannt wurde, erhielt dieser See den Namen "Teufelssee".

 

Alter Teerofen

 

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