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1800

 

Neben dem Rittergutsbesitzer wohnten jetzt 11 Büdner und 3 Einlieger in Großzerlang. Vorhanden war auch eine Windmühle auf dem heutigen Mühlenberg, südöstlich des Dorfes. In diesem Jahr wurde der Ortsteil Adamswalde erstmals schriftlich erwähnt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es dort nur wenige Waldflächen, das übrige war sandiges Ödland und Hutungsrevier für die 920 Schafe des Rittergutes. Die hier errichtete Schäferei wurde nach dem damaligen Rittergutsbesitzer Adam David Dehrmann benannt. Neben der Schäferei gab es dort lediglich 2 Einliegerwohnungen.

 

1840

 

Das Dorf Großzerlang hatte neben dem Rittergut 18 Wohnhäuser. Das Gutshaus, ein zweistöckiges Fachwerkgebäude, befand sich etwa hinter der jetzigen Gaststätte "Zur Alten Linde". Die Dienstmägde und Knechte bewohnten das spätere Herrenhaus, das heutige Haus Dorfstr.13, an dessen rechten Giebel sich die Brennerei befand. Davor lag der Gutspark, der bis zur Straße reichte und von einer großen Ziegelmauer umgeben war. Gegenüber der Straße befand sich der Gutsgarten mit Obstbäumen und später sogar einem Gewächshaus. Hinter dem Gutshaus stand eine große Fachwerkscheune mit Kornspeicher längs zum heutigen Birkenweg, die an einem Teich, den man heute gegenüber vom Haus Rueger als Senke nur noch erahnen kann, endete. Weiterhin standen dort die Stallanlagen des Gutes. Bekannt ist, daß das Gutshaus und das Haus der Bediensteten durch einen unterirdischen Gang mit der Kirche verbunden waren. Unbestätigt berichtet wird auch, daß dieser Gang sogar bis zum Pumpenberg hinführen sollte, möglicherweise als Fluchtweg gedacht, falls es wirklich Raubritter waren, die hier auf dem Rittergut lebten und die Schiffe auf dem Pälitzsee be-raubten. Zu vermuten ist auch, daß der jetzige Friedhofsgraben zu früheren Zeiten ein tiefer Wasserlauf gewesen war, über den man nur mittels einer Zugbrücke zum Rittergut gelangte. Fest steht jedenfalls, daß die Rittergutsbesitzer und ihre Familien ihre letzte Ruhe in den Gewölben unter der Kirche gefunden haben. Der Eingang zur Gruft wurde aus Sicherheitsgründen im Jahr 1994 zugeschüttet. Weiterhin gehörte der auch heute noch so genannte Eiskellerberg zum Gut. Hier wurden im Winter aus dem zugefrorenen See herausgetrennte Eisblöcke eingelagert, die sich bis zum Sommer hielten und zur Kühlung des gebrauten Bieres und der Lebensmittel genutzt wurden. Der Tortsee war der Badesee des Gutes. Am Ufer stand dort eine Badehütte und auf dem Grund lag ein Fischkasten, der das Gut bei Bedarf mit Fischen versorgte.

 

1845

 

Für die kirchlichen Angelegenheiten wie Gottesdienste, Trauungen, Taufen und Begräbnisse waren bis 1845 die Pfarrer aus Strasen zuständig, was jedoch der Kirchenbehörde in Wittstock ein Dorn im Auge war, da Strasen zu Mecklenburg gehörte und somit bis zur Reichsgründung 1871 „Ausland“ war. So hielt der Pfarrer Malz aus Strasen am 23.Juli 1845 seine Abschiedspredigt in Großzerlang . Im gleichen Jahr wurde Johann Ludwig Nalop aus Flecken-Zechlin für den Predigerdienstin Großzerlang und Adamswalde bestellt. Im Schreiben der Kirchenbehörde Wittstock heißt es u.a. als Begründung für die Wahl des Pfarrers: „Außerdem erscheint das Wünschenswerte, Groß-Zerlang von der unnatürlichen Verbindung mit einer ausländischen Pfarre zu befreien...“ Nalop musste an 4 Sonntagen predigen . An diesen Tagen predigte er zugleich auch in Kleinzerlang oder in der Zechliner Weißglashütte. Wegen des weiten Weges verpflichteten sich die Großzerlanger zur Zahlung von 20 Silbergroschen an Fahrtkosten. Ab dem 17.03.1867 wurde Nalop durch den Prediger Bernhardi aus Dorf-Zechlin abgelöst. In Großzerlang gab es weder ein Pfarrgebäude noch irgendwelche Grundstücke der Kirche wie in anderen Orten ( Kirchenland, Pfarräcker...)

 

1860

 

Die Anzahl der Wohnhäuser erhöhte sich auf 23. Außerdem gab es mit Ziegelei und Brennerei 33 Wirtschafts- und 2 öffentliche Gebäude, vermutlich die Schule und die Gaststube.

 

1877/78

 

Mit dem Bau des Kanals in Kleinzerlang und der Schleuse "Wolfsbruch" ging das Wasser des Kleinen Pälitzsees enorm zurück. So lange standen die jetzigen Wiesen am Eingang des Dorfes bis hin zu den Gärten unterhalb des Mühlenbergs noch völlig unter Wasser. Somit begann das Dorf praktisch erst an der Kirche. Demzufolge führte der Hauptweg nach Adamswalde und Rheinsberg über die Trift. Hier war der Weg durch die Schafe, die auf den damals noch nicht bewaldeten Flächen bis nach Adamswalde getrieben wurden, verhältnismäßig gut ausgetreten. Ein Rätsel bleibt die große Linde am Märkischen Haus, die vor 2-bis 300 Jahren außerhalb des Dorfes gepflanzt worden sein muß. Mit Sicherheit ist sie dort auf der kleinen Anhöhe nicht von allein so gewachsen. Der gerade Wuchs weist auf eine gewisse Pflege hin. Vielleicht war sie ja Treffpunkt für besondere Festlichkeiten.

 

um 1884

 

Infolge eines Brandes in der Räucherkammer des Gutes (vielleicht zur Vertuschung eines Diebstahls?) kaufte der damalige Gutsbesitzer die erste Feuerwehrspritze für Großzerlang. Somit können wir auch die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr um diesen Zeitpunkt annehmen.

 

1891

 

Die soziale Struktur in Großzerlang sah wie folgt aus:

1 Rittergutsbesitzer mit 677 ha
1 Büdner und Regimenter mit 12 ha
10 Büdner inclusive 1 Schiffer
1 Gastwirt mit 1,7 ha

1 Schneider mit 1,2 ha

ohne Land:
1 Lehrer
1 Knecht
1 Schiffer
1 Statthalter
1 Schäfer
1 Kutscher
1 Kuhfütterer
1 Zieglermeister

 

1893

 

Im Kirchbuch ist zu lesen:
"1893 ist keine Trauung vorgenommen worden. In diesem Jahr ist fast ganz Großzerlang abgebrannt. Im März und Juni ein großes Feuer. Im März brannten die auf Seiten des Gutes gelegenen Büdnerstellen ab, im Juni der große Schafstall des Gutes , der Stall, die Schule und die auf der anderen Seite gelegenen Büdnerstellen. Der Wiederaufbau erfolgte durch die Firma J.H.Behnfeldt in Kleinzerlang."
Vielleicht war bei dem großen Brand ja auch Brandstiftung mit im Spiel, da gerade zu dem Zeitpunkt die Versicherungspolicen für die alten Fachwerkhäuser ausliefen. Verletzt wurde jedenfalls niemand, auch die Kinder wurden rechtzeitig in Sicherheit gebracht. 3 bereits ziegelgedeckte Häuser wurden vorsorglich mit Wasser bespritzt und widerstanden so den Flammen. Der Gutsbesitzer kassierte die Versicherungsprämien und lieferte den Bewohnern dafür aus der Ziegelei die Ziegel für die neuen Häuser - natürlich nicht die besten, zumeist Fehlbrände. Nichtsdestsotrotz: die Gutssiedlung wurde im selben Jahr mit massiven eingeschossigen Wohnhäusern mit jungem Fachwerk wieder aufgebaut.

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