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1925

 

1925 wurde das Restrittergut Großzerlang von dem damaligen Druckereibesitzer aus Berlin Erich Elsner an den Landwirt Paul Scheibe verkauft. Das Gut, das sich landwirtschaftlich in gutem Zustand befand, ging von Jahr zu Jahr zurück und so versuchte Scheibe, es wieder zu verkaufen. Da ihm das nicht gelang, gründete er zusammen mit dem Herrenschneider Paul Pataky eine "Hühnerfarm-Bau-GmbH"mit dem Ziel, das Gut aufgeteilt in 40 Parzellen mit Geflügelfarmen samt Wohnhäusern zu bebauen und diese dann zu je 30.000 RM zu veräußern. Über die genauen Pläne und Absichten erfahren wir im folgenden Schreiben.

Vom Landrat erteilt wurde jedoch vorerst nur eine Ansiedlungsgenehmigung zur Errichtung von 2 Wohnhäusern und 12 Legehallen in der Siedlung westlich des Ziegeleiweges. Die finanziellen Mittel der GmbH reichten nicht aus. Das Gut mußte 1930 zwangsversteigert werden und fiel an den Maurermeister Sprengel aus Rheinsberg. Mit Hilfe einer Wiederaufbau- und Siedlungsgesellschaft wurde nun versucht, die Parzellen zu besiedeln mit angeblich kapitalkräftigen Siedlern. Mit ihrer Hilfe sollte eine Belebung des Dorfes erreicht werden, eine Post eingerichtet, elektrisches Licht gelegt und die Straßenverhältnisse verbessert werden. Bei der damals herrschenden hohen Arbeitslosigkeit - ein verlockendes Angebot. Nach langwierigen Verhandlungen - die Gemeindevertreter bestanden auf Einhaltung einer 3 m breiten Uferpromenade, einer Kahn- und Badestelle, einen Sportplatz sowie Gelände für eine Friedhofserweiterung - wurde 1932 der Aufschließungsvertrag zwischen der Gemeinde und Sprengel unterzeichnet. In dessen Folge annoncierte der Grundstücksmakler Laszlo die Parzellen als "Wassergrundstücke ohne Uferpromenade". In der Gemeinde war man empört darüber und auch die damit angelockten Käufer waren erstaunt, als sie nach Großzerlang kamen und ihre Parzellen "direkt am Wasser" in Besitz nahmen. In dieser Zeit wurden die Häuser des heutigen Birkenweg 1 , 3 , 6 , 13 und Pappelweg 5 , 6 und 9 gebaut. Weitere Häuser sollten gebaut werden, jedoch unterbrach der 2.Weltkrieg die Bautätigkeiten und zurück blieben sie halbfertigen Fundamente entlang dem Pappelweg.

 

1932

 

Die Gemeinde Großzerlang errichtete nach der Parzellierung des Restrittergutes die öffentliche Badestelle am Kleinen Pälitzsee mit einem 35m langen Steg.

 

1936

 

Aus dieser Zeit berichtet der ehemalige Lehrer Franz Balduf in einem Brief (Zitat):
"Wie ich mich erinnere, kam ich Mitte 1936 mit dem Fahrrad in dem Ort an, traf noch kurz den Lehrer Thiele, begab mich in die leergeräumte Dienstwohnung und befand mich schlagartig in ganz urigen Zuständen : kein elektrisches Licht, Schwengelpumpe hinter dem Haus, in Schulraum und Wohnung große Kachelöfen mit braunglasierten Kacheln, die im Winter mit etwa 50 cm langen Holzscheiten beschickt wurden, hinter der Schule ein kleines Wirtschaftsgebäude mit Plumpsklos für Lehrer und Schüler....
Das Gemeindeleben verlief im großen und ganzen recht harmonisch. Gern fand man sich zusammen, wenn es etwas zu feiern gab. Gefeiert wurde regelmäßig der 1. Mai. Am wichtigsten daran war natürlich das Beisammensein mit Tanz in einer der beiden Wirtschaften, meist bis weit nach Mitternacht. Im Sommer richteten die Schüler ein Schulfest aus mit Gesang, Volkstanz und Verlosung von gestifteten Preisen. Nach der Ernte machte man einen Umzug hinter einem geschmückten Erntewagen. Im Dezember versammelte man sich an einem Abend in einer Wirtschaft zum Julklapp. Dabei wurden die Empfänger von vorher eingesammelten Päckchen mit scherzhaftem Inhalt aufgerufen, die dann diese zur allgemeinen Erheiterung auspacken mußten. Kurz vor Weihnachten gab es meist auch in der Schule eine bescheidene Weihnachts-feier mit einer kleinen Aufführung.
Polititsch handelte man im Dorf nach der Devise: leben und leben lassen. Niemand ist seinerzeit, soviel mir bekannt , wegen abweichender politischer Gesinnung denunziert worden. Am Ende des Dorfes wohnte der "Pötter" - sein Name ist mir entfallen - , der sich als Kommunist bekannte." Zitatende.

 

1939

 

Vermutlich durch Brandstiftung fiel die große Scheune des Gutes mitsamt den Kutschwagen und Pferdeschlitten ect.einem Feuer zum Opfer.Nach Aufteilung des Gutes gab es im Ort 6 landwirtschaftliche Betriebe über 20 ha, 3 zwischen 10 und 20 ha, 2 zwischen 5 und 10 ha und 32 Nebenerwerbsstellen unter 5 ha.

 

1940

 

Da die arbeitsfähigen Männer zum Kriegsdienst eingezogen worden waren, wurde die Ziegelei Großzerlang 1940 vorübergehend stillgelegt.

 

1942

 

Wichtig für die Großzerlanger Feuerwehr war der Kauf der 1.Motorspritze des Dorfes.

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