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26.11.1950

 

An diesem Tag war großes Lichtfest in Großzerlang, das heißt von der Stromleitung, die zur Ziegelei führte, war eine Leitung ins Dorf verlegt worden. Die Großzerlanger trafen sich alle und trugen feierlich ihre Petroleumlampen regelrecht in einem improvisierten Sarg zu Grabe. Zur Feier am Abend wurde sogar eine Festzeitung, die sogenannte "Lichtzeitung", geschrieben. In ihr wurde jeder Einwohner mit einem scherzhaften Spruch bedacht. Mit dem einfachen Anknipsen des neu erworbenen Lichtes klappte es aber leider nicht so richtig, da die Stromleitung viel zu dünn war. So hingen die alten Petroleumlampen schon noch eine Weile neben den elektrischen Glühbirnen. Trotzdem war es ein großer Fortschritt, vor allem wenn man bedenkt, daß ja zu der Zeit alles streng rationiert wurde. Im Monat gab es nur einen Liter Petroleum pro Haushalt, wenn Viehwirtschaft vorhanden war, noch einen halben Liter dazu. Ansonsten mußte man sich mit Talglichtern, meist auch selbst gezogen, behelfen.

 

1956

 

Die landwirtschaftliche Nutzfläche des ÖLB (ca.100 ha) wurde von der LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) "Einheit" Kleinzerlang übernommen. Der Ziegeleibetrieb ging in Volkseigentum über und beschäftigte bis zur Stillegung 1960 noch 34 Arbeiter.
Es wurde begonnen, die schöne Umgebung Großzerlangs zu Erholungszwecken zu erschließen und damit den Tourismus als Erwerbsquelle zu fördern. Am Großen Pälitzsee entstanden die ersten Zeltplätze, die durch die Forst bewirtschaftet wurden. Die Zeltplatzgebühr betrug anfangs 0,15 DM pro Zelt und Tag. Im Gasthof Bölsch, später in der Försterei Adamswalde wurde für Schulkinder das erste Ferienlager eingerichtet. Die Kinder schliefen auf dem Heuboden auf Strohsäcken. Gekocht wurde im Keller der Försterei und gegessen auf dem Hof im Zelt. Sicher für unsere heutigen Ansprüche war es sehr primitiv, aber mit viel Eigeninitiative und Enthusiasmus zum Wohle der Kinder getragen und ermöglicht.

 

1960

 

Im Zuge der Kollektivierung der Landwirtschaft nach dem Muster der sowjetischen Kolchosen schlossen sich 14 Bauern aus Großzerlang zur LPG "Frieden" zusammen. Diese LPG vom Typ I betrieb gemeinsamen Feldbau auf 63 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche unter Leitung des Vorsitzenden Bernhard Grosser.
Die Ziegelei mußte stillgelegt werden, da sich die Tonvorkommen erschöpft hatten. Ein Teil der Beschäftigten fand neue Arbeit in dem sich im Aufbau befindlichen Kernkraftwerk, das 1966 in Betrieb ging. Das Gelände der Ziegelei wurde vom Wasserstraßenbau Berlin und dem Fleischverarbeitungswerk Magdeburg erworben und als Kinderferienlager genutzt. - Ideal am Rande der Halbinsel gelegen wurde ein eigener Badestrand angelegt, ein Bootssteg mit Angelkähnen und Wassertretern gebaut. Sogar eine Dampferanlegestelle befand sich am Ufer, so daß auch Dampferfahrten mit den Kindern unternommen werden konnten. Später, in den 70er Jahren, zementierte der Wasserstraßenbau die Zufahrtsstraße zum Ferienlager, auch für die Anwohner der Siedlung eine wesentliche Erleichterung.

 

1961

 

Nach zweijähriger Bauzeit wurde die neue Konsumverkaufsstelle in Großzerlang fertiggestellt. Damit verbesserten sich die Einkaufsmöglichkeiten der Bevölkerung und der jetzt schon zahlreichen Touristen in der Sommersaison.

 

1962

 

In der Kolonie wurde ein Waldstück durch den Berliner Betrieb Bergmann Borsig für Erholungszwecke erschlossen. Zunächst als Zeltplatz mit zentralem Koch- und Speisezelt genutzt, wurden später nach und nach die Bungalows gebaut. In diesem Jahr stellte auch der Spezialbau Potsdam am Ufer des Kleinen Pälitzsees in der Kolonie 4 Baracken für seine Urlauber auf. Am Großen Pälitzsee entstanden die ersten 6 Wochenendhäuser.
Mit Einrichtung einer Arztsprechstunde in Kleinzerlang verbesserte sich auch für die Großzerlanger die ärztliche Grundversorgung entscheidend.

 

1963

 

Ein Scheunenbrand in der Kolonie rief die Großzerlanger Feuerwehr zum Einsatz - zum Glück der letzte große Brand im Dorf.Eng wurden die Betriebe, die hierErholungseinrichtungen unterhielten, ins Dorfgeschehen eingebunden. So wurde durch das Baukombinat Leipzig das Gemeindehaus um- und ausgebaut. Auch eine neue Leichenhalle auf dem Friedhof wurde gebaut.

 

1966

 

Auf dem Gebiet des Gesundheitswesens wurde vieles getan zur besseren ärztlichen Versorgung. Im ehemaligen Herrenhaus wurde eine Krankenstube eingerichtet und wöchentlich kam ein Arzt aus dem Landambulatorium Rheinsberg, der hier Sprechstunde hielt. Auch Impfungen, Schuluntersuchungen und Mütterberatungen wurden durchgeführt. Alle 2 Jahre kam der Lungenröntgenzug, um die Erwachsenen zur Vorbeugung gegen Tuberkulose zu röntgen. Zur Teilnahme an dieser Röntgenaktion war jeder ebenso wie an den Impfungen gesetzlich verpflichtet.

 

1969

 

Die Gemeinde Großzerlang wurde an den Zweckverband Erholungswesen Rheinsberg angeschlossen. Die Urlauberzahlen waren jetzt auf 2000 bis 3000 je Saison angestiegen. Allmählich fanden durch das Anwachsen des Tourismus auch die Einwohner des Dorfes hier eine Arbeitsmöglichkeit zumal durch die Mechanisierung in der Landwirtschaft dort der Arbeitskräftebedarf vor allem für die Frauen zurückgegeangen war.Neben dem Feuerwehrgerätehaus wurde ein neuer Schlauchtrockenturm errichtet.

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