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1990

 

Der schlechte bauliche Zustand der Stallanlagen war der Grund, mit der Viehzucht in Großzerlang aufzuhören.
Mit der Wende und der Öffnung der Grenzen gingen die Gästezahlen in den hiesigen Ferieneinrichtungen zunächst einmal stark zurück.

 

1991

 

Dieser Trend setzte sich in den folgenden Jahren weiter fort und hatte zur Folge, dass die meisten Arbeitsplätze im Ort verloren gingen. Als Alternative vor allem in Hinblick auf das Anziehen von Touristen und der Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten plante man ernsthaft, einen Golfplatz um den Tortsee herum anzulegen. Investoren waren schnell zur Stelle, die es verstanden, die Bevölkerung von ihren Plänen zu überzeugen. Es wurde sogar ein 6 Loch-Übungsplatz errichtet und zur Eröffnung am 27.07.91 alle Einheimischen und Urlauber zum "Angolfen" eingeladen. Dabei blieb es denn auch, da man wahrscheinlich nicht mit den langwierigen Genehmigungsverfahren gerechnet hatte. Trotzdem wurden alle Voraussetzungen dafür geschaffen:
So wurde zunächst die Mülldeponie im Birkenweg stillgelegt und ...

 

1992

 

... 1992 wurde die Trinkwasseranlage im Dorf in Betrieb genommen. Im Anschluss daran konnte endlich mit dem Straßenbau begonnen werden. Gerade die Zufahrtsstraße von Kleinzerlang war schon immer trotz jährlich erfolgter Ausbesserungen eine ziemliche Katastrophe. Mittels beantragter Fördermittel wurde in den folgenden Jahren diese saniert, die Gehwege gepflastert und zur Kolonie hin ein Radweg ausgebaut. Alle damit verbundenen Unannehmlichkeiten wie Umleitungen z.T. durch den Wald wurden dafür gern in Kauf genommen, konnte sich doch das Ergebnis - eine schöne glatte Straße ohne Löcher - sehen lassen! Gleichzeitig erhielt Großzerlang eine neue Straßenbeleuchtung und die Stromkabel wurden in die Erde verlegt.

 

1994

 

Im Februar 1994 übernahm die Gemeinde auf Beschluss des Gemeinderates die zehn Bungalows des ehemaligen FdGB-Feriendienstes. Diese sollten zunächst noch eine Saison im alten Standard vermietet, dann aber abgerissen und neu aufgebaut werden. Die Vermarktung erfolgte durch den Heimat- und Fremdenverkehrsverein und es kamen auch wieder Urlauber, zumeist solche, die Großzerlang noch von DDR-Zeiten her kannten und hier vor allem Ruhe und Erholung suchten. Auch die ehemaligen Ferieneinrichtungen in Adamswalde und im Bungalowdorf Kolonie, jetzt privatisiert, waren zum Teil wieder durch Urlauber belegt
Im September dann begann der Abriss der alten FdGB-Bungalows in Eigenregie der Bevölkerung. Zum Aufbau der 10 neuen modern ausgestatteten Ferienhäuser wurden Firmen beauftragt. Die Finanzierung sollte durch bereits genehmigte Fördermittel geschehen.

 

1995

 

Ein Jahr später war es soweit. Am 7.Oktober fand die feierliche Eröffnung des Feriendorfes statt. Zugleich wurde der neue Buswendeplatz eingeweiht. Dieser war gebaut worden, weil die Grundstücksbesitzer auf den alten Standort Ansprüche angemeldet hatten. Der erste Bus wurde empfangen und der Busfahrer mit einer Flasche Sekt vom Bürgermeister überrascht. Das Fest klang mit einem Tanzabend in der inzwischen privat verpachteten Gaststätte "Märkisches Haus" aus.
Unter Einbeziehung der Einwohner wurden die Straßenränder am Dorfeingang im Herbst mit Bäumen bepflanzt und so eine schöne Uferpromenade geschaffen.
Noch bevor die privaten Haushalte ein Jahr später endlich alle nach Wunsch Telefonanschlüsse erhielten, wurde auf der Halbinsel ein Sendemast errichtet und damit das Telefonieren mittels Funktelefon im D2-Mobilnetz ermöglicht.
Das Grundstück der ehemaligen Ziegelei, das bis 1991 als Ferien- und Schulungszentrum genutzt worden war und seitdem durch das Bundesvermögensamt verwaltet wurde, stand nun zum Verkauf. Unter anderen Interessenten gab auch der Verband Christlicher Pfadfinder sein Angebot ab. Die Einwohner des Dorfes standen diesem Vorhaben jedoch recht kritisch gegenüber. Sie fürchteten um ihre Ruhe. Immerhin war die Rede von internationalen Pfadfindertreffen mit Beteiligung von über 5000 Kindern und Jugendlichen - eine Anzahl, die unser kleiner Ort wahrscheinlich nicht hätte verkraften können. Entschieden hat sich das Bundesvermögensamt letztendlich doch für die Pfadfinder und nachdem man sich mit der Gemeinde auf eine begrenzte Kapazität geeinigt hatte, befürwortete auch diese das Vorhaben.

 

1996

 

Nachdem mit dem Straßenneubau und dem Feriendorf alles verhältnismäßig gut angelaufen war, auch der öffentliche Badesteg war durch die Einwohner erneuert worden, kam 1996 die Ernüchterung: der Gemeinde wurde vorgeworfen, die bewilligten Fördermittel nicht zweckgebunden eingesetzt zu haben und so forderte die Landesinvestitionsbank die ausgegebenen Gelder zurück. Mit einem Mal war Großzerlang hochverschuldet. Diese Schulden einschließlich der Zinsen werden wohl auch mit dem versuchten Verkauf der gemeindeeigenen Gaststätte, der Ferienhäuser und einiger Grundstücke nicht abzubauen sein. Ob die Klärung der Schuldfrage der Gemeinde helfen kann, ist ebenfalls fraglich. Der Bürgermeister Dieter Baumgarten zog jedenfalls nach vielen Jahren erfolgreicher Arbeit daraufhin die Konsequenzen und trat von seinem Amt zurück.

 

1998

 

Die Konsumverkaufsstelle, bereits seit 1993 geschlossen, wurde von der Treuhand verkauft und jetzt zur Gaststätte umgebaut. Die Eröffnung war am 15.Juli und der neue Gastwirt Armin Majunke hatte das ganze Dorf dazu eingeladen. Mit regelmäßigen Preisskatveranstaltungen und gelegentlichen Grillabenden bemüht er sich, einen Treffpunkt für Jung und Alt zu schaffen und damit das Dorfleben wieder ein wenig zu aktivieren.
Bei den Bundestags- und Kommunalwahlen entschieden sich die Einwohner Großzerlangs für Oskar Bobinski als neuen ehrenamtlichen Bürgermeister. Gleich bei seinem Amtsantritt konnte er die Gemeinde darüber in Kenntnis setzen, dass das Land einen Teil der Schulden erlassen hat.
Der Verband Christlicher Pfadfinder begann mit dem Abriss der alten Baracken des Ferienlagers und der Umgestaltung des Geländes dem Bebauungsplan entsprechend. Die neuen Gebäude sollen sich in die Landschaft einpassen und möglichst wenig in der Natur verändert werden.
Viel Aufregung ins Dorf brachte Anfang Dezember der Absturz eines Kleinflugzeuges. Etliche Bewohner mussten beobachten, wie das Flugzeug hilflos über dem Ort kreiste und schließlich in ein Waldstück in der Nähe des Klärwerks stürzte. Obwohl Feuerwehr und Rettungswagen schnell eintrafen, kam für die Besatzung jede Hilfe zu spät.

Bei den Kommunal- und Bundestagswahlen im September 1998 war die Stimmenverteilung auf die Parteien wie folgt:



SPD:                            38
CDU:                            7
PDS:                            33
Grüne/Bündnis 90:        6
FDP:                            1
Republikaner:                5



In die Gemeindevertretung wurden gewählt:



Oskar Bobinski
Uwe Rueger
Holger Grosser
Roland Bartel
Jörg König
Armin Majunke
Ingrid Groß

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